63 Jahre nach der Uraufführung in Petrograd (dem heutigen Leningrad) realisierte der amerikanische Star-Regisseur Peter Sellars Chlebnikows "Zangesi". 1923 wurde das Werk in einer Inszenierung des russischen Konstruktivisten Vladimir Tatlin mit mäßigem Erfolg uraufgeführt. Chlebnikows eigener Definition zu Folge ist die Übererzählung "Zangesi" ein Gebäude aus Erzählungen, eine Erzählung hingegen ein Gebäude aus Wörtern.
"The Territory of Art" ist eine Serie von Audio-Art-Projekten, welche das MOCA gemeinsam mit dem Sender KUFMCA produziert. Die Bandbreite der Hörstücke reicht von traditionellen Geschichten bis hin zu radikalen Konzeptionen wie "noise-programmes" oder akustischem Terror. Allen "Territory of Art"-Programmen ist die in Amerika beliebte Spieldauer von 30 Minuten gemeinsam.
Peter Sellars theatralische "Zangesi"-Inszenierung im neueröffneten MOCA 1986 dauerte über 2 Stunden und mußte daher für die Radiofassung gekürzt werden. "Zangesi" ist nach einem Untertitel Chlebnikows eine "Übererzählung in 20 Ebenen". Peter Sellars wählte aus diesen die 4 einander entgegengesetztesten: eine ruhige, eine grelle, eine abgehoben-ätherische und eine rasant-frenetische. "Zangesi" ist kein Theaterstück oder eine Erzählung im herkömmlichen Sinn sondern ein poetisches tableau oder ein dramatisches Gedicht, das von dem futuristischen Propheten "Zangesi" vorgetragen wird. "Zangesi" spricht in der Sternensprache, in den Formeln der Weltallsprache und der Algebra. Das Zentrum von "Zangesi" ist die Sprache, an deren Erweiterung, Vertiefung und Korrektur Chlebnikow Zeit seines Lebens gearbeitet und als eigene Klangform betrachtet hat . Seine Stile und Verfahren resultieren aus der Reflexion der Sprache und der Beziehung zwischen den Wörtern und den Dingen, die sie bezeichnen. Velimir Chlebnikow war bekannt für seinen improvisatorischen Umgang mit Sprache. So mußte sich das Publikum bei seinen Lesungen mit dem Hinweis "usw." begnügen, zu seinen Verlegern sagte er lapidar: "Wenn ihr etwas ändert wollt, ändert es!"
