von der Linzer Gruppe SWAP
"Man hat bei einem Sampler - z.B. bei einem Sampler der eine Aufnahmezeit von 20 Sekunden hat - die Möglichkeit zwei Klangereignisse die jeweils auch einen wirklichen Raum bedeuten z.B. jeweils 10 Sekunden aufzunehmen und einen Ausschnitt davon von der Maschine wiederholen zulasse. So kann ich z.B. den Ausklang, wenn ein Auto wegfährt, verlängern, und ich kann diesen Ausklang manipuliere in dem Sinn daß ich die Ton- oder Klanghöhe verändere. Der Computer oder der Sampler bietet die Möglichkeit Geräusche in ein harmonisches Zusammenspiel zu bringen und sie in beinahe jeder denkbaren Art und Weise zu manipulieren. Und das ist sicher ein Unterschied zur Tonbandmaschiene von früher." SWAP haben 2 Jahre lang in Salzburg ein ernsthaftes Musikstudium betrieben, das ihnen aber eher die Grenzen und Beschränkungen als die Möglichkeiten zeitgenößischer E-Musik klarmachte. Ein Resultat dieses Studiums - SWAP haben eine Band - die Stromband die in ihrer eher der U-Musik zuzuordnenden Musik immer wieder Hörbilder einstreut. Manchmal am Anfang dann wieder Zwischendurch oder am Ende.
Zum Projekt "Hausmusik 88" das in Berlin realisiert wurde meinen SWAP:
"Unmittelbar vor unserem Wohn- und Arbeitsplatz sind wir bei unseren Spaziergängen seit eineinhalb Jahren mit einem Rohbau konfrontiert der einfach als Skelett in der Landschaft steht und vor sich hinschweigt. Jedesmal wenn wir daran vorbeigehen denken wir uns Geschichten aus. Wer wird darin wohnen? Wie wird das sein? Wir sind unter anderem dadurch draufgekommen, daß alles was in einem Haus passiert im wahrsten Sinne des Wortes wegsperrt ist. Man kennt zwar irgendwelche Häuserfronten oder seine Straße, doch der ganze akustische Bereich der an einem ganz normalen Tag in einem Haus passiert fällt eigentlich unter die Kategorie lästig oder unter die Kategorie Ruhestörung oder Privatssphäre. Uns erschien es interessant solch ein Skelett in einer Berliner Straße offen mit ihren möglichen Klangereignissen für 24 Stunden darzustellen. Es wäre überlegenswert sich die Frage zu stellen, was rein akustisch passiert wenn ein Haus in eine bestimmte Umgebung gebaut wird. Oder man könnte davon ausgehen, daß eine bestimmte Art von Akustik - sei es das Heulen des Windes oder das Rauschen von Bäumen - das Kriterium ist warum ein Haus an einer bestimmten Stelle errichtet wird. Man kann auch weiter gehen und behaupten, daß Hörgewohnheiten in einem direkten Zusammenhang mit Denkstrukturen stehen. Und hörend leben hat auch etwas mit einem Zeitbegriff zu tun, in dem Sinn, daß man wieder ein Gefühl für Zeit bekommt. Mit Hörbildern einen wirklich differenzierten Klangbereich zu suchen, ist eine Möglichkeit so etwas wie Neugier zu wecken."
"Simple Man 8" von SWAP und wie das Radio die Hörbilder mitbestimmte. "Das Stück ist auch für das Radio gedacht. Wir haben auch von der Länge der Hörbilder - sie sind absichtlich in einer Zeit von 1 bis 2 Minuten gehalten - her versucht, die Leute auf den Geschmack zu bringen. Wichtig erscheint uns, daß das Hören wieder erlebt werden kann, ohne ein technisches oder kompositorisches Vorwissen zu besitzen. Die menschliche Fähigkeit zu hören und zu empfinden stellt eine Ressource dar, die versickert und die wir wiedererwecken möchten." Die Reihenfolge in der die Hörbilder gesendet wurden, haben SWAP dem ORF-Kunstradio überlassen.
