KUNSTRADIO


KUNSTRADIO AUSTRALIEN-SCHWERPUNKT 1989
Soundart und Radiokunst in Australien

Gemeinschaftsarbeiten australischer Künstler

Warren Burt und Amanda Stewart



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Dauer: 45'17"

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"Musical Cerology" heißt ein Stück von Warren Burt aus dem Jahre 1988. Diese Art von elektronischer Musik die sich unter anderem der Selbstähnlichkeit widmet, war es unter anderem wohl auch die Warren Burt eine Einladung zum "Chaos und Ordnung Symposium" beim Steirischen Herbst 1989 eingetragen hat.

Bei der Ars Electronica 1989 in Linz konnte man Warren Burt allein an der Brucknerorgel mit einer Homage an Bruckner, und vor allem aber in zwei, der nicht nur für ihn, sondern für die ganze australische Kunstszene im Bereich Sound, Performance und Lautpoesie typischen Gemeinschaftsarbeiten mit anderen Künstlern erleben. Einmal mit dem Dichter Chris Mann und zum andern mit Amanda Stewart und Rick Rue. Die Zusammenarbeit zwischen Rick Rue, Amanda Stewart und Warren Burt war dabei vielleicht noch typischer für die australische Szene als die zwischen Burt und Mann. Während z.B. im Bereich der Malerei und Skulptur eher eine Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen australischen Großstädten besteht, spinnen sich die Fäden der Zusammenarbeit im Performance- und Medienkunstbereich über weite Distanzen hinweg. Und so ist es nicht weiter überraschend, daß auch Radioarbeiten - die meisten von ihnen entstehen für das Netz der öffentlich rechtlichen ABC - sehr oft Gemeinschaftsarbeiten von Künstlern aus verschiedenen Sparten und mit verschiedenen Wohnorten sind.

Aber nicht nur Warren Burt zeichnet sich durch eine überaus hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Künstlern aller Sparten aus, sondern z.B. auch die Lautpoetin, Performance- und Medienkünstlerin Amanda Stewart. Wer immer sich für die menschliche Stimme, für die Bedeutung und den Klang von Lauten, Worten und stimmlichen Äußerungen aller Art, etwa als Teil einer noch andere Klänge umfassenderen Arbeit interessiert, findet in Amanda Stewart eine geradezu ideale Partnerin. So fließen Amanda Stewarts Stimme und Texte z.B. in die Arbeit der von Rick Rue gegründeten Gruppe "Social Intirias" ein, wobei die Radiogedicht von Amanda Stewart und der Gruppe "Social Intirias", unter anderem Themen aufgreifen wie den Export unserer elektronischen Kultur in die 3.Welt. Amanda Stewarts Stimme und Texte finden sich aber auch in Rick Rues Radiosendungen bei einem sogenannten Public Radio. Dabei handelt es sich um eine Station für die von der obersten Rundfunkkommision eine Lizenz vergeben wurde, weil eine Gruppe von Leuten ihren Bedarf für eine solche Station nachweisen konnte.


Als Beispiele solcher Gemeinschaftsarbeiten werden Ausschnitte aus folgenden Arbeiten vorgestellt:

"Words and Sounds in the Australian Landscape"

Es handelt sich dabei um eine Radiokunstproduktion zum 200 Jahrjubiläum Australiens. Die Arbeit mit dem Titel "Words and Sounds in the Australian Landscape" besteht aus einer Kette von 33 aneinander geschnittenen Text- und Klangstücken von 5 verschiedenen Künstlern. Darunter Les Gilbert mit Kurzklanglandschaften aus Naturtönen und eben Warren Burt der z.B. den Umriß tasmanischer Küstenabschnitte - wie etwa die Küste südlich von Davenport - als Partitur für einige seiner Beiträge verwendet hat. Andere Bausteine Warren Burts zu der insgesamt 112 Minuten langen Radioarbeit von 5 Autoren "Words and Sounds in the Australian Landscape" bestehen etwa in der Mischung aus städtischer Geräuschkulisse mit digitalen Samplings aus Zügen, von Fähren oder von Baustellen oder aber ganz einfach aus einer kurzen Aufnahme eines der Wahrzeichen von Sidney, der Harbour Bridge.

"Responcers and Compressions for Victorian Musicians and Environement"

Reaktionen und Kompressionen von Musikern aus Viktoria und die Klanglandschaft von Viktoria ist eine Gemeinschaftsarbeit von 5 Künstlern mit Warren Burt für den australischen Rundfunk. Zwischen jedem Einzelbeitrag befindet sich ein Radiocurtain - ein Radovorhang -, der nichts anderes ist, als die jeweils auf die Dauer von unter einer Minute zusammengepreßten 16 Minuten langen Aufnahmen, die den schließlich gesendeten 8 Minutenkapiteln der 5 Künstler und Künstlerinnen zugrundelagen. Warren Burt brachte jeden der Musiker in eine bestimmte Gegend - an einen Fluß, an einen Strand, zu einem Wasserfall oder in einen Park. Dort konnte jeder bzw. jede nach einer Lauschperiode von 16 Minuten mit einer 8 Minuten langen Improvisation auf die vorgefundene Klangwelt reagieren. Die Aufnahmen dieser Improvisationen wurden im Studio zeitlich kompremiert und in 4teilige Kanons transformiert. Dann kehrten die Performer an die gleiche Stelle in der Natur zurück, hörten sich dort das Band an und reagierten schließlich auf das noch einmal abgespielte Band und die Natur mit einer neuen Improvisation. Diese 5 letzten 8 Minuten bilden ungeschnitten aneinandergereiht das Radiostück. Zwischen den einzelnen Radiobeiträgen fällt jeweils der bereits erwähnte Radiovorhang, indem die erste und zweite Improvisation auf unter eine Minute verkürzt sind.

"Collaboration" von Amanda Stewart und Warren Burt

Ende 1987 fuhr Amanda Stewart nach Melbourne und erarbeitete dort zusammen mit Warren Burt für die öffentlich rechtliche ABC das Stück "Collaboration" - Zusammenarbeit. Ausgangspunkt waren frühere Gedichte von Amanda Stewart. In ihrer Gemeinschaftsarbeit ging es den beiden Künstlern darum, die nonverbalen Aspekte von Gedichten zu untersuchen. Sie wählten dabei die Methode der Improvisation auf zwei Kanälen. Warren Burt versuchte mit Hilfe seines Computers Amanda Stewarts Stimme, die Intonation, die Lautstärke und Stimmhöhe gleichsam nachzuzeichnen, wobei allerdings durch die Technik auch ein Zufallsfaktor mitspielte. Im Mittelteil der Arbeit reagiert Amanda Stewart auf die Improvisation von Burt mit den gesampelten Fragmenten ihrer Stimme. "Collaboration" von Stewart und Burt ist ein Stück das in der in Australien sehr lebendigen Tradiotion von Lautpoesie und der unter anderem auch aus einem politischen Bewußtsein genährten Arbeit mit und an der Sprache, steht. Eine Produktion des australischen Rundfunks ABC.


KUNSTRADIO AUSTRALIEN-SCHWERPUNKT 1989
Soundart und Radiokunst in Australien
  •   Die Radiokunstnacht bei der ARS electronica (14. September)
  • "Radiokunst in Australien" (21. September)
  • "Sydney-Linz" (28. September)
  • "Kakadu" (5. Oktober)
  • "From Austria to Australia" (12.Oktober)
  •   Gemeinschaftsarbeiten australischer Künstler (2.November)
  • "Hundegeschichten" (16.November)
  • "Bell Transfer" (30.November)
  • "The Opera Crossed Purposes" & "Call of the Wild" (7.Dezember)
  • "Twins, Sept.1989" / "Currawongs" / "Solistice Quarry Piece" (21. Dezember).

  • "Soundart in Australia" by Nicholas Zurbrugg



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