15. NOVEMBER 1990 |
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Das radiophone Hörstück Zungenreden (1990) basiert auf Borges Erzählung "Die Bibiliothek von Babel". Mit
Hilfe eines Computerprogrammes wird die literarische Vorlage nach und nach dekonstruiert. Bei anfänglicher
Beibehaltung der grammatikalischen Struktur verwirren sich zunächst die semantischen Bezuege. Allmählich
wird auch die Syntax brüchig, ehe der Auflösungsprozeß auf die einzelnen Worte übergreift. Es entstehen
merkwürdige Sprachvarianten, die zunächst Assoziationen an bestimmte Dialektformen hervorrufen mögen.
Daraus entwickeln sich schließlich künstliche Sprachen, die zuletzt in ihre phonemischen Bestandteile zerlegt
als reine musikalische Klangwerte, ohne jegliche semantische Bedeutung, ertönen: Karlheinz Essl "Zungenreden"
vielleicht dem Katalog der Kataloge in der Einsamkeit eines Raumes Die Bibliothek der Blätter Wildheit definiglich endlich Getrieben von dem buchstabenkombinatorischen Gedanken: "Sprechen heißt in Tautologien zu verfallen." de insten pollion solung une dodenger hupokache uneiem Bücher der scharlachroten Seite, deren Zufallsbände ständig in Gefahr schweben; das ins Überfeen schlüssigende Gramidom: Hoffnung, die allschränkt, behauern! Radio als Kunstmedium: Verdächtig, weil es sich der Kontrolle entzieht und die Normen bequemer Konsumierbarkeit ignoriert. Es appeliert an den Hörer, nicht länger passiver Informationsempfänger zu sein, sondern aus der Anonymität zu treten und Mitschöpfer zu werden. Aus vieldeutigen Botschaften und rätselhaften Klängen schafft er sich ein eigenes, persönliches Kunstwerk, das seine Wahrnehmung verändern kann. |
