Der Preisträger des 1972 erstmals vergebenen Rauriser Literaturpreis montiert seine in Phrasen, Metaphern und visuellen und sprachlichen Symbolen gefaßten Wahrnehmungen zu einer assozativ erfaßbaren Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit. Bodo Hell zählt nicht zu den Schriftstellern, die ein Handlungskonstrukt am Schreibtisch entwerfen. Der "rote Faden" in seinen Erzählungen rollt sich spontan in der Bewegung des Autors, während einer Wanderung (z.B. "Dom Mischabel Hochjoch", 1977) oder bei der Fahrt durch die Stadt ("Linie 13A") auf. Die dabei entstehende Kette an miteinander verknüpften Gedanken und Wahrnehmungen gleitet nur scheinbar flüchtig am Leser vorbei. In Wahrheit hüllt sie ihn ebenso ein, wie das Netzwerk seiner eigenen, alltäglich erfahrbaren Realität.
Bodo Hells eigene und eigenwillige Wege in der Literatur haben ihre Entsprechung in seinem Alltagsleben. Er ist nicht nur Schriftsteller und Fotograph, sondern auch Viehhüter auf einer Genossenschaftsalm im Ennstal. Bei Kritikern gilt er als Perfektionist, Philosoph und liebenswürdiger Querdenker. Mit seinem Versuch, die "Unrast des Lebens" in seinen Endlosaufsätzen einzufangen, nutzt er die Möglichkeit für einen neuen Entwurf von Literatur. Bodo Hell zu "Music on hold": "Eine assoziative Rede zum Thema Hören und Hören müssen, die den Bogen von der täglichen Lärmbelästigung bis zur akustischen Halluzination spannt. Die Rede der Autorenstimme konkurriert mit Wartesignalen, Trostformeln und Musik im Wartezustand aus der täglichen Telekommunikation".
