Eine Klangmöblierung des Treppenhauses im
Palais Liechtenstein von Mathias Fuchs
"Klang Arten" nennt sich das Veranstaltungsprojekt des Museums
Moderner Kunst, das Ende März im Palais Liechtenstein zu sehen
und zu hören sein wird.
Im Rahmen von "Klang Arten" werden verschiedene Arbeiten
präsentiert, die den Betrachter und Hörer mit dem Reiz des
scheinbaren Widerspruchs konfrontieren: die barocke Architektur
der Räumlichkeiten wird von den Künstlern bewußt als kontrastierendes Element in Beziehung zu ihren Textcollagen, Klanginstallationen und Beiträgen zeitgenössischer Musik gesetzt.
Ein Kontrast, der sich - so die Veranstalter - angesichts der
vielschichtigen zeitlichen, klanglichen und räumlichen Dimen
sionen in der heutigen Kunstproduktion teilweise aber auch
wieder auflöst.
Mathias Fuchs, Schöpfer der Klanginstallation "Wien 1991" am
Karlsplatz im Vorjahr, nutzt für seine "Klangmöblierung" -
eine akustische Installation und Transformation - die Architektur des Innenraums, das Treppenhaus.
Die Doppelstiege, die im Palais Liechtenstein von der eben
erdigen Eingangshalle in die Säle des 1. Stockwerks führt,
stellt den Ort der Möblierung dar.
Es ist die Beweglichkeit, die Verschieb-und-Transportierbar
keit von Einrichtungsgegenständen (Möbelstücke), die Fuchs
auf den Gedanken bringt, sie mit Kängen zu vergleichen:
"Der beweglichste vorstellbare Einrichtungsgegenstand ist
der Klang. Klänge bauen sich auf, werden verschoben, fallen in
sich zusammen und verschwinden schließlich gänzlich.
Ein Treppenhaus klanglich zu möblieren, bedeutet, einen Raum
in der Zeit musikalisch zu strukturieren, also Bewegung von
Klängen festzusetzen.
Die Schlußfolgerung des Künstlers: "Wenn bewegliche Objekte
für Immobilien Möbel heißen, dann müssen Musiker, die in Hinsicht auf bestehende Räume komponieren, Klang-Innenarchitekten
genannt werden." So nützt Fuchs auch den Rythmus der Stufen, um Patterns enstehen zu lassen, die als Klang-Möbel im Ausstattungsraum zu
rechtgerückt werden.
Ausgangspunkt für die Komposition "Step by Step" bildet ein
Klangmobiliar aus Schritten, die auf den Stiegen aufgenommen
wurden. Am Computer wurde diese Treppen-Akustik umgruppiert
und arrangiert. Mittels rhythmisch-klanglicher Verfremdung
entstehen so auf den realen Stufen imaginäre Schrittfolgen,
die aus den Lautsprechern des Steigenhauses dringen.
Dem realen Stiegenhaus wird solcherarts ein virtuelles gegen
übergestellt.
In dieser ORF-Kunstradio-Sendung wird eine Radiofassung der Klangmöblierung des Treppenhauses zu hören sein, wobei sie Mathias Fuchs in einer Reihe von unterschiedlichen Interieurs neu entstehen läßt. Ein tragbares Tonbandgerät mit Verstärker wird als Klang-Möbelwagen verwendet, um die Musik des Palais
in den Räumen der Zuhörer unter den unterschiedlichsten akustischen Bedingungen entfalten und wirken zu lassen.