von Christian Steinbacher
Ausgegangen war der in England lebende österreichische Radiokünstler eigentlich von einer anderen Idee: das (literarische) Kompositionsmuster von Carlo Goldonis "Le Baruffe Chiozzotte" (Chiozza ist der alte Name Chioggias) sollte Grundstruktur seines Radiostücks sein. Der atmosphärische Charakter seiner O-Tonaufnahmen am Ort verlangte hingegen nach einem anderen, von der literarischen Vorlage unabhängigen Konzept für die Radioarbeit.
Die Tonaufzeichnungen geben akustische (Milieu-)Szenen wider, die jedem Italienreisenden bekannt erscheinen: die Lautsprecherdurchsagen und das Getümmel in der Bahnhofshalle, die Predigt, der Kirchenchor am Sonntagvormittag, Eros Ramazotti und die "chiacchiere" (das Getratsch) in der Bar am Nachmittag. Dennoch entspricht "I Ritmi Chioggia" eher einer aus Sprache, Geräuschen, Musik und Rhythmen gestalteten Radiokomposition als einem Stadtporträt. Schlagzeugsequenzen (drums: Vince Clark) verstärken die Rhythmen der Komposition und verleihen Ihnen Widerhall.
Die melodischen und erzählerischen Elemente sind in "I Ritmi Chioggioti" ebenso von Bedeutung wie die Rhythmen.
Die Analogie, das Korrespondieren von Text und maschinell erzeugten Bewegungen und Geräuschen ist sowohl an der rhythmischen Struktur als auch in dem In-sich-kreisen von Worten erkennbar. Der Text - vorgetragen vom Autor - wird vor der von der Zsambokschen Maschine gestalteten Geräsuchkulisse präsentiert. Innerhalb des artifiziellen Hörraums, der auf diese Weise entsteht, gewinnt die Radiokomposition "die welle der woge der wind" nicht zuletzt durch das Miteinanderkommunizieren der beiden unterschiedlichen akustischen Ebenen (Sprache/Maschine) an Dichte und Intensität.
