Ein Hörstück von Peter Pessl im Rahmen der ORF-Kunstradio Reihe "Transit"
von Christoph Cargnelli und Peter Szely
Er will das Sprechen der Pflanze auch dem Zuhörer wahrnehmbar machen und setzt dafür die Sprechwerkzeuge seiner eigenen Person ein: die Kommunikation mit dem Brennesselbusch ist als Schamanengesang zu hören. Eine Schwebefliege stellt mit ihren auf hoher Frequenzebene zu hörenden Flügelbewegungen die Verbindung zur Pflanze her. Diese "vermittelnde" Funktion haben auch die Tollkirschen und eine Rassel, mit deren Hilfe dieser "Transit"-Bereich an der Schwelle zur Sphäre des Spirituellen betreten wird.
Um seine Gespräche mit der Brennessel - ein einzigartiges Experiment - auch seinem Publikum darzustellen, hat Pessl ganz bewußt die Form des Hörstücks gewählt: "Literatur geht oft bis an die Grenzen des Sagbaren - aber ein Minimum an Verständlichkeit muß dabei immer eingehalten werden. Beim Hörstück kann diese Grenze ausgeweitet werden." Seine Erfahrungen während seines Dialogs mit der Pflanze beschreibt Pessl folgendermaßen:
"Ich hatte deutlich das Gefühl, daß von mir Besitz ergriffen, daß ich stundenlang festgehalten wurde. Ich die Empfindung des Ausgeliefertseins." Nach Auffassung des Autors "ist es heute notwendig, in die Epoche vor der Aufklärung zurückzukehren und dabei gleichzeitig die Aufklärung und ihre Gedankenwelt zu überschreiten". Eine Ansicht, die der Autor ganz besonders auch für die Literatur zu Geltung bringen möchte.
von Christoph Cargenlli und Peter Szely
