KUNSTRADIO


I. "The Tune"
von
Dimitriy Nikolaev
(RADIO OSTANKINO, Moscow)


II. "Beugehaft für Rolf"
von
Thomas Pfeffer


I.

"The Tune"

Autor und Produzent: Dimitri Nikolaev
Komposition und Studio-Technik: Boris Sokolov



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"The Tune" ist ein Radio-Drama, das ganz ohne Worte auskommt. Geräusche, Klangeffekte und Musik verraten den Hörern Fortgang und Entwicklung der Handlung: Ihr zentrales Thema ist das Aufkeimen und Wachsen von Haßgefühlen zwischen zwei Menschen. Zuletzt schlägt der Haß zwischen den beiden Personen, die ursprünglich Freunde waren, in Gewalt um: sie zerstören dabei nicht nur sich selbst, sondern auch andere, mit denen sie in Beziehung stehen.

II.

"Beugehaft für Rolf"


Ein Hörstück von Thomas Pfeffer

Gestaltung & Realisation: Thomas Pfeffer
Studiotechnik & Montage: Thomas Kohlwein
Produktion: Siegfried Horina
Mitwirkende Carl Michael Belcredi u.v.a.


Als Winnetou wieder reitete, Kung Fu wieder einmal seinen Feinden seine alles vernichtenden Schläge und Tritte verpaßte und der tapfere Kriminalinspektor vom "Polizeifunk" auf Mörderfang loszog, hatte der kleine Thomas sein Ohr am Radio. Aus seinen Kindheitserinnerungen an die recht trivialen, für ihn damals spannenden Hörspielserien aus den 50iger-, 60iger-und 70iger-Jahren entwickelte der Autor Thomas Pfeffer Idee und Konzept für seine Radio-Collage "Beugehaft für Rolf". Das "zerschnipselte" und gefilterte Tonmaterial der genannten und einiger anderer für diese Radio-Ära typischen Hörspielsendungen montierte Pfeffer zu einer radiophonen Komposition, die zum einen den damaligen Zeitgeist in Erinnerung ruft, zum anderen die unfreiwillige Komik, die durch den Pathos und die trivialisierenden, stereotypen dramaturgischen Effekte hervorgerufen wird, verstärkt zur Geltung bringt. In diesen Produktionen geht es in erster Linie um Exotik und Abenteuer im "Wilden Westen" oder im "Mord-Buben-Milieu": Die Autoren lassen dabei ihrem Drang zur "perversen Fantasie" (T.Pfeffer) freien Lauf: "Sie haben die Freiheit der Fantasie ad absurdum geführt, indem sie ihre Fantasie in konventionelle Moralvorstellungen gepreßt und damit abgekappt haben", sagt Thomas Pfeffer. Das "Perverse" an diesen Hörspielproduktionen und ihrer Gestaltung (Text und Sprachduktus, Geräusch-und Musikeinsatz) liegt seinem Empfinden nach vor allem an den darin erkennbaren Vermischungen von scheinbar Gegensätzlichem: Miefige, moralinsaure inhaltliche Ansprüche finden den Gipfelpunkt ihrer Erfüllung letztlich in Gewaltexzessen und anhaltenden Gewehrsalven. Mittels Samples und Schleifen gelingt es Thomas Pfeffer den Charakter der Trivialität und der Brutalität - aber auch des Komischen dieser "epochalen" Radio-Serien - zielgerecht zu fokussieren, zu akzentuieren und zu verstärken.

Thomas Pfeffer über seine Methodik: "Man könnte sagen, ich habe dieses Hörspielmaterial "in Beugehaft genommen", in dem ich es bearbeitet und karikiert habe, um es zu einem Geständnis zu zwingen."

Seine "Jugendsünden" - das regelmäßige Hören von Western-und Krimi-Serien im Radio verdammend, erreicht Thomas Pfeffer letztendlich sein Ziel. Ein ganzes Hörspiel-Genre samt Zeitgeist gesteht: seine falsche, weil verständnislose Liebe für Fremdes Exotisches, seine Seichtheit und Oberflächlichkeit, seine lächerlichen Klischeeß. Mit einem Wort: seine vom Massenpublikum seinerzeit geliebte, aber literarisch und medial recht fragwürdige Trivialität.



1994 Calendar 2