19. September 1996


22:20 - FAMILIE AUER

anschließend:
KUNSTRADIO


"MEMETIC FLESH: After the Mutation"


zu hören im KUNSTRADIO und auf CD
von Arthur & Marilouise Kroker
mit Rupert Huber & Scanner
Mit ihrer musikalisch-akustischen Performance MEMETIC FLESH: After the Mutation - aufgenommen und bearbeitet im RP4, dem digitalen Studio im Wiener Rundfunk - knüpfen Arthur und Marilouise Kroker an eines ihrer zentralen Themen an: Ihre Texte und das dazugehörige akustische Material verweisen auf das Verhältnis Mensch - Technik/Körper - Maschine, bzw. auf die Veränderungen dieses Verhältnisses durch den Einsatz von Digitaltechnik und Biotechnologie.

Was die technisch-biologischen Transformationen des menschlichen Körpers anbelangt, sind der Fantasie und dem Rahmen des gegenwärtig und zukünftig Vorstellbaren keine Grenzen gesetzt: Alles ist möglich, alles veränderbar. Die Perfektionierung des Physischen scheint einzig und allein durch dessen technische Substitution, bzw. Verformung realisierbar zu sein.

An humoristischen Anspielungen auf allerorts beobachtbare Phänomene futuristisch gestylter Körper lassen es die beiden Autoren dabei nicht mangeln. In Ich-Form berichten sie von einer gelungenen physischen Mutation im Montreal General Hospital - mit verblüffenden Folgen: Mit dem neuen "Glint Chip Auge", das sich niemals schließt, niemals schläft und von den nunmehr nutzlosen Augenbrauen und Wimpern befreit wurde, eröffnet sich dem Mutierten eine 3D-Welt mit ihrem artifiziellen Leben und ihrer digitalen Optik. "Maybe it needs some artificial tears", bleibt ihm noch zu sagen, bevor ihn ein Anruf vom KUNSTRADIO nach Wien bittet. Dort entdeckt er, daß es in der "Szene" entlang der blauen Donau nur so wimmelt von "mutant memetic flesh" und daß ihn hier so manches an die Straßenszene in San Francisco's Cyber-City (ein Teil der Performance bezieht sich speziell auf die Cyber-Kultur in "Ars California") erinnert: "hyped up rave bodies" inmitten der "Free Party" in der City, tätowierte Gänsehaut, dreifach gepiercte Augenlider, zusammengeheftete Lippen, Infrarot-Ohren, neu zusammengesetzte Körper, ausgefranste Nerven und gefiederte Seelen bei der Cyber-Show im Club Flex.

Der Mutant aus Kanada traut seinem "Glint Chip Auge" nicht mehr:
"It's Vienna calling. And it's real digital delirium."


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