

| Üblicherweise spielt der Ton im Film eine untergeordnete Rolle. Meist
soll er vor allem dekorativ und bildunterstützend wirken. In seinem Stück
"optical sounds" dreht Fridolin Schönwiese den Spieß um. Hunderte Ausgaben
der Austria Wochenschau hat der österreichische Filmemacher im Vorfeld
akustisch seziert. In "optical sounds" wurde das reichhaltige Sprach-,
Ton- und Musikmaterial schließlich zu einer komprimierten Zeitreise verdichtet
- keine historische Toncollage, sondern viel mehr eine eingehende Klanganalyse.
Fridolin Schönwiese lenkt die Aufmerksamkeit auf Silbenbetonungen, Sprachmelodie,
Wortwahl, Originaltöne und ungefilterte Hintergrundatmos. Sie sind im
Kontext einer Wochenschau "verräterische Fremdkörper, die mehr über die
Geisteshaltung, einen gesellschaftlichen Zustand, eine politische Absicht
auszusagen vermögen, als die reflektive Abhandlung eines Themas." Der ursprünglichen Bildinformation beraubt sieht sich der Rezipient plötzlich auf seine eigene Assoziationskraft zurückgeworfen. "Der Zuhörer hat die Möglichkeit, sein eigenes geschichtliches Bewußtsein mit dem Gehörten zu verknüpfen und durch das Hörerlebnis zu ergänzen." Im Kopf des Zuhörers entsteht so eine neue Filmspur - diesmal getragen von ganz persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Die erste Ausgabe der Austria Wochenschau war in den österreichischen Kinos am 11. November 1949, also genau vor 50 Jahren zu sehen. |
