SONNTAG, 10. Juni 2001, 23:00. - 24:00, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



Social Music II

"Testing Case for Threshold Level (Music on Lighting of Highway)"

und / and

"Sociality as Aftereffect"

von / by Minoru Sato

Curated by Brandon LaBelle


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Dauer: 59'49"

[english below]

"Testing Case for Threshold Level (Music on Lighting of Highway)"

"Diese Aufnahme ist das Resultat einer Interaktion mit einer "Lichtsituation", die sich in einem Auto zugetragen hat, das während der Nacht eine Autobahn entlang fuhr. Der Sound hat einen in Abständen auftretenden Rhythmus um etwa 50Hz, die Lautstärke durchläuft verschiedene mikroskopische Veränderungen. In Kombination neigen die niedrigen Frequenzen und die subtilen Lautstärkenveränderungen dazu, zu fluktuieren - über eine Schwelle der Wahrnehmung hinaus, in Verbindung mit der unmittelbaren Umgebung (zum Beispiel: Lautstärke des Raumes indem man hört, Unterschiede zwischen den einzelnen hörbaren Bereichen, ...). Der Hörer ist frei, die Lautstärke selber zu regulieren, oder das Stück zu ignorieren. Ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit ist es, die jeweilige Hörsituation auszutesten, ob sie oder ob sie nicht als konstant oder variabel wahrgenommen werden kann. Dabei wird gezeigt, dass die Nachwirkung sich entsprechend dem sozialen Umfeld verändert, an dem dieses Stück gehört wird." (Minoru Sato)

"social body / fluent body"

"Diese Stück ist die Aufnahme von Herzschlägen. Ich habe in dem Stück verschiedene Aufnahmen von Herzschlag verarbeitet (zum Beispiel die, bevor und nachdem ich diesen Text gelesen habe). Wenn wir annehmen, dass Verschiebungen und Fluktuationen auftauchen, zwischen einer Aufnahme (als ein Zustand der Umgebung) und einer Person, dann wird dieses Stück zu einer Anhäufung von Nachwirkungen. Dieser Zugang des Zusammentragens von Nachwirkungen ist eine Testsituation für die Annahme, dass es uns unmöglich ist, zum dem ursprünglichen Fall oder der ursprünglichen Intension zurückzukehren, um die Nachwirkung zu bestätigen. Letztendlich reflektiert das Musikstück über Sozialität, wird ausschließlich zu einer Musik, die an größere musikalische und klassische Kontexte anschließt. Auf eine gewisse Art und Weise schlägt die Arbeit vor, dass "Musik" immer als eine Sozialität als Nachwirkung existiert hat." (Minoru Sato)

Kunstproduktion im allgemeinen und Musikproduktion im speziellen passiert oft in einem isolierten Raum. Nicht selten versuchen sich Künstler in ihrem Arbeitsprozess ganz bewusst von der gesellschaftlichen Realität abzukoppeln. In der von ihm kuratierten Reihe "Social Music" stellt der in Los Angeles lebende Künstler Brandon La Belle Künstler und Musiker vor, die in ihren Arbeiten genau das Gegenteil versuchen: gezielt Kontakt aufnehmen und ganz bewusst an gesellschaftliche Prozesse anknüpfen, sie als ein Mittel zur Musikproduktion einsetzen. "Social Music" versucht das Beziehungsgeflecht zwischen Produzent und Rezipient, zwischen Individuum und Gesellschaft hörbar zu machen. Im zweiten Teil der Reihe "Social Music" ist ein Stück des japanischen Künstlers und Musikers Minoru Sato zu hören.


"Testing Case for Threshold Level (Music on Lighting of Highway)"

"This is a recording resulting from the interaction of a "light situation" shined into a car while driving on a highway at night. The sound has an intermittent rhythm of around 50Hz, and the volume has various microscopic changes. The combination of low frequencies and subtle changes are liable to fluctuate upon a threshold of perception in relation to one's immediate surroundings (for instance, loudness of the listening room, differences between each audible range, and so on). It is free for a listener to control the volume, or to ignore this piece. It is important for this work to test the given listening situation and whether or not it can always be heard as constant or variable, demonstrating that the aftereffect shifts in accordance with the social field where this piece is heard." (Minoru Sato)

"social body / fluent body"

"This piece is a recording of heartbeats. I edited several recordings (for instance, before and after reading this text) into the final piece. If we suppose that the displacements and fluctuations occur between a recording (as an environmental condition) and a person, this piece becomes an accumulation of aftereffects. In addition, the accumulation is further displaced through sound editing, making this piece a complete accumulation of aftereffects. This approach of accumulating aftereffects is a testing case for the supposition that it is impossible for us to return to the original cause or intention as a way to confirm the aftereffect. At last, the music piece, in reflecting upon sociality, becomes nothing but a music to be connected with a larger context of musical and classical approaches. In a way, the work proposes that 'music' has always consisted of the sociality as aftereffect." (Minoru Sato)

Production of art and especially of music often takes place in an isolated space. Artists in their work process often sever their ties with social reality intentionally. In this series Brandon LaBelle - Los Angeles based artist - introduces artists and musicians working with opposite methods: intentionally creating contacts and taking up social processes, using them as means to produce music. "Social Music" tries to make these relations audible: relations between producer and listener, between the individual and society. Part 2 of the "Social Music" series presents a piece by the japanese artist and musician, Minoru Sato.



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