SONNTAG, 14. Jänner 2001, 23:00. - 24:00, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



RE-PLAY UPDATE #3: "PLAKATIEREN VERBOTEN"



ein dreiteiliges Projekt von Rupert Huber, Joelle Bitton und Raphael Meyer

Stimme: Anna Clementi




"RE-PLAY Update" schließt an die Ausstellung
"RE-PLAY Anfänge der internationalen Medienkunst in Österreich"
in der Generali Foundation in Wien im Frühjahr/Sommer 2000 an.

(english version)



PLAY

Dauer: 54'12"
A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

Im dritten Teil der Kunstradio-Serie "Replay Update" ist das dreiteilige Projekt "plakatieren verboten" zu hören, das auf einem Musikstück von dem österreichischen Komponisten und Musiker Rupert Huber und der Homepage von der französischen Künstlerin und Designerin Joelle Bitton und dem französischen Künstler Raphael Meyer basiert und in einer Live Performance Musikstück und Homepage miteinander verbindet.

"verboten sind: verminderte quinten, parallele oktaven, unterbrechen des flows, ungerade rhythmen, pausen; parallele quinten, stilbrüche, unsanglichkeit, digitale knackser, analoges rauschen, klangmalerei, notenanalphabetismus.

wenn man sich noch unkomponierte, noch "in der Luft liegende" musik als einen park vorstellt, und sich diesen park in verschiedenen regionen und städten vorstellt, und den komponisten eines radiostücks als spaziergänger darin; und dann diesen park wie einen fliegenden teppich nach wien X, reumannplatz dirigiert und landen läßt, und am nächsten morgen darin spazieren geht: die erstaunliche wandlung von einem park aus ungeschriebener musik in einen schilderpark voller verbotsschilder wird die aufmerksamkeit des spaziergägers an sich reißen, ihn dazu bringen, sich mehr mit verboten und der frage, was dann überhaupt erlaubt bzw. wozu dann der park eigentlich gut sei zu befassen als mit seinem eigentlichen vorhaben, in ungeschriebener musik spazierenzugehen.

schilderbeschreibung des realen parks wien X, reumannplatz: ein kleiner park, 100 m2 vielleicht, zwei ganz kleine spielplätze, ein asphaltierter gehweg mittendurch, ca 10 bäume, stand januar 2001:

benützung der spielgeräte momentan nicht gestattet (2x)
fahrradfahren und ballspielen verboten (4x)
hunde verboten (graphisches zeichen) (1x)
betreten der wiese nicht gestattet (1x)
mehrteiliges graphisches verbotszeichen, was nicht in die mülltonne darf (2x)
halten und parken verboten (1x)
fahrverbot(1x) und ein unleserliches, weil verwittertes verbotsschild, daß irgendetwas mit dieser weg, schnee und eis und verboten vorschreibt (1x)

also in summe 12 sofort erkennbare, und ein unleserliches (unausgesprochenes?) verbot.

es gibt in der temperierten stimmung 12 verschiedene töne innerhalb einer oktave.

die jeweiligen vertreter eines verbotssystems begründen verbote mit der ordnung, die dadurch aufrechterhalten werde und der freiheit, die sich durch einhalten der verbote von selbst einstellt.

eine spezielle wiener verbotseigenart ist das bestehen auf persönlicher unschuld und höherer weisung des jeweiligen verbotsorgans.(gott-chef-hausordnung)

plakatieren verboten ist ein sonntagsspaziergang in einem verbotenen park, in dem verbotsschilder wie museumsstücke und seltene schöne blumen bestaunt, begutachtet und beschnuppert werden.

in der website von joelle bitton liegen die verbotensten der klänge und klangfolgen abrufbereit und lassen sich spielen und kombinieren, ein verbotsspiel, das am 14.1. 2001 eröffnet wird."

(Rupert Huber)


No Posters!

"Forbidden are: diminished fifths, consecutive octaves, interrupting of the flow, uneven rhythms, breaks, consecutive fifths, inconsistencies of style, lack of melody, digital crackling, analogous noise interference, sound figures/complex sounds, illiteracy of notes.

If music not yet composed and still "floating in the air" is imagined as a park; and if this park is imagined in different regions and cities with the composer of a radio piece going for a walk in it; and if it is then directed like a flying carpet to Vienna's 10th district, Reumannplatz, told to land there and used for a walk the next morning: the astonishing transformation of a park of unwritten music into a sign park full of prohibitive signs will grasp the walker's attention forcing him to concern himself with orders and with the question as to what remains allowed or what this park is actually good for rather than with his original project of walking in music still unwritten.

Signs found in the real park in Vienna's 10th district, Reumannplatz, in January 2001: a small park of maybe 100 m2, two tiny playgrounds, one paved footpath across its centre, appr. 10 trees:

Use of playground apparatuses currently not allowed (2x)
No riding of bicycles, no ball games (4x)
No dogs (graphic sign) (1x)
No stepping on lawn (1x)
Graphic sign in several sections of what may not be put in rubbish bins (2x)
No stopping and parking (1x)
No driving (1x) and one illegible because weathered down sign prohibiting something with this path, snow and ice (1x)

This leaves a sum of 12 immediately identifiable signs and one illegible (suggested?) prohibition.

In the tempered pitch there are 12 different tones within an octave.

Representatives of a prohibitive system will substantiate prohibitions by referring to the order thus maintained and to the freedom which will automatically occur by observing them.

A specifically Viennese peculiarity in issuing prohibitions is the insistence on being personally innocent and on instructions from above by the prohibitive authority in question (god-superior-house-rules).

No Posters! is a Sunday walk in a prohibited park where prohibitive signs are marvelled at, studied and smelled like exhibits at the museum and rare beautiful flowers.

Joelle Bitton has published the most prohibited of all sounds and sequences on her web-site where they may be accessed and played and combined - a game of prohibitions starting on January 14 2001."

(Rupert Huber)



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