SONNTAG, 22. April 2001, 23:00. - 24:00, ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



Hörnetz - eine unabhängige Initiative zur Erforschung der
Veränderungen in den Genres Hörspiel und Radiokunst.

http://www.hoernetz.ch

Hörnetz - an independent initiative for the exploration
of recent changes in radio-drama and radio-art.




PLAY


A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

Das Zürcher Kollektiv Level Ltd. reflektiert in seinen Arbeiten "die journalistische Tätigkeit". Je nach Projekt arbeitet es mit verschiedenen Personen zusammen. Daraus entstehen Radioarbeiten, Texte, Performances, Musik oder etwa auch "Hörnetz", ein Projekt zur Thematisierung der Veränderungen im Hörspiel und in der Radiokunst. Letztes Jahr fand "Hörnetz" bereits zum dritten mal statt und bestand aus einer Veranstaltung, einem Vertrieb von freien Radiokunstproduktionen und einem Wettbewerb, der sich an Künstler und Künstlerinnen richtete, die privat, also nicht bei einem Radio, produzieren. Kunstradio stellt eine Auswahl der eingesendeten Beiträge vor, darunter auch "Schrei nicht Fliege" von den Geschwistern Kempker, die von der Jury für diese Arbeit das mit sFr. 2000.- dotierte "Goldene Hörnetz" erhielten.


One of the self-chosen tasks of the Zurich based collective Level Ltd. is the reflection of the scope of a concept present in old and new media alike: the concept of "journalistic activity". In their project oriented work which involves temporary cooperations with people from many different backgrounds, Level Ltd over the last years has produced radio-pieces as well as printed texts, performances, music etc. One of their projects - founded three years ago under the title "Hoernetz" (listening net)- explores the recent changes in radio-drama and radio-art. In 2000 "Hoernetz" manifested itself not only in a public event in Zurich, but also took up the distribution of independent radio-art productions and featured a competition for such productions. The main award "The Golden Listening Net" and 2000.- swiss francs went to "Schrei nicht Fliege" by Birgit and Bernd Kempker, a brother and sister living in Basel and Berlin respectively.

In this edition, Kunstradio presents excerpts from five of the entries to the "Golden Listening Net"-competition.


Schrei Nicht Fliege (Do not Scream, Fly) Birgit Kempker, Bernd Kempker
Place Espace Thomas Peter
Momente (Moments) Franziska Baumann
poltern und schwingen Bernadette Johnson
Formal Radio Frank Schültge & Christian Berner


Schrei Nicht Fliege (Do not Scream, Fly)
05:10
Birgit Kempker, Bernd Kempker (Basel/Berlin)
Stimme/voices: Anna Griesebach und/and Thomas Douglas
Musik/music: Billy Walker
Sound Effects: Romainmôtier
Sound Ingenieur/sound engineer: Josh Martin


2000 Erstaufführung: Theater am Neumarkt Zürich, Mai 2000

Es handelt sich um einen Ausschnitt des "Sound-Tracks" für das Hörstück für zwei Stimmen, eine Einsagerin, ein Hase und einige andere für die Bühne "Schrei Nicht Fliege". Dieser Ausschnitt ist eine Art eigene Insel oder Ufo geworden und zeigt uns einen für uns neuen und kickreichen Weg, weiter mit Ton, Schrift und Stimmen zu arbeiten. Das Tonmaterial wurde während einiger Exerzitientage zusammen mit den SchauspielerInnen Anna Griesebach und Thomas Douglas und dem Soundtechniker Josh Martin improvisierend gewonnen und aufgenommen. Die Texte wurden vorher nicht verteilt und im ersten Schritt durch Simultanübersetzung ins Englische und dann wieder zurück ins Deutsche gesprochen. Dann wurden weitere Vorgaben gemacht beim Simultansprechen, wie: langsam, elegisch, fluchend, dabei Körperübungen machen, das Gegenteil sagen, sich einen Kampf vorstellen, etc. Wichtig war, dass die Texte immer live eingesprochen wurden, oder als Variation das zuvor live Ersprochene in einem weiteren Schritt. So gab es einen Ohr zu Ohr-Austausch, eine Art mal zärtliche Osmose, mal Duell, mal erotische Verschmelzung und mal leicht Abgrenzung, Gehorchen und Hören, eine sehr intensive Sache. Die Aussengeräusche, Glocke, Regen etc sind von Romainmôtier. Die einzige nachträgliche eingearbeitete "Konserve" ist die Countrymusik von Billy Walker. Gemixt auf ProTools.


First performed at the Theater am Neumarkt Zurich, May 2000

The piece was created in an intensive workshop-like atmosphere with lots of improvisations. The improvised texts were first simultaneously translated into English and then back into German. The actors then were advised to keep to certain moods and/or physical exercises while executing their texts. Versions of the text were thrown back into the very intensive collaborative process. The sound effects were also created live. The only pre-recorded part added later was the music by Billy Walker.


Place Espace
10:56
Soto Sonor: Thomas Peter (Zürich) 2000

Erstsendung: SO21 / Radio LoRa Zürich, 1. Oktober 2000

Den akustischen Raum zwischen Sender und Empfänger zu durchforschen, diese Zwischenwelt zu beobachten und willkürlich Phrasen von Wörtern und Lärm, Musikfetzen und Störgeräuschen aufzulesen um damit eine ganz persönliche Darstellung dieses Raums zu erzeugen. Dabei werden unterschiedliche zeitliche Ereignisse zu einem neuen Zeitgeflecht verwoben, das mehr als Raum, denn als Zeitabfolge zu verstehen ist. Angestrebt wird somit nicht ein blosses Abbild des Ursprungsmaterials, sondern eine Interpretation des Vorgefundenen.

Als Quelle und anfängliches Arbeitsgerät dienten mir zwei Pocketradios. Arrangiert und editiert wurde das Material am Computer und Sampler. (Original 30 min.)


First broadcast: on Radio LoRa, Zurich, October 2000

"The source of my material, and at the same time my equipment in the first phase of the production were two pocket-radios. The material was then arrangd and edited on a computer and a sampler.

My aim was an exploration of the acoustical space between sender and receiver by looking closely at this in-between world and by randomly collecting phrases, noises, fragments of music, sounds of interference to create a very personal representation of this space. Events from differing times are woven into a new time segment, which should be understood as a space rather than a sequence in time. What I was after was not a mere representation but an interpretation of the found material." (Th.P.)


Momente
09:18
Franziska Baumann (Spiegel bei Bern) 1999


Erstsendung: DRS 2, 5./13. Juni 1999

Ich habe den in Le Mans lebenden Autor Christian Prigent in Paris getroffen. Meine Hörreise durch diese Stadt unserer Begegnung habe ich mit Originalton-Aufnahmen dokumentiert, die ich zusammen mit Prigents Kurzlesung vor meinem Mikrophon als Ausgangsmaterial einer Komposition verwendete. "La Liste des Langues que je parles" nimmt als Ausgangslage Wortlisten und die Idee eines Inuit-Spiels, wo sich Frauen in zwei Reihen gegenüberstellen und sich Nase an Nase in durchgehendem Rhythmus Wortlisten aus ihrem Alltag zustossen. Verloren hat, wer zuerst lacht ... Als Komplementärraum zu seiner Stimme habe ich meine eigene vokalistisch eingesetzt. Es sind innere Kommentare, Visionen, Vexierbilder, Verzerrungen. Im Zentrum steht eine Auslotung von musikalischen und sprachlichen Räumen. Mit vokaler Sprache, die ganz nahe an der Grenze des sprachlichen Ausdrucks liegt, wird Sprache reflektiert, variiert, imitiert.

Die Idee war, das Moment des Sprachlichen in der Musik und das Moment des Musikalischen in der Dichtkunst in einen Dialog jenseits gewohnter Tonspuren und Sprachmuster zu bringen.


First Broadcast on DRS 2, June1999

" In Paris I met the writer Christian Prigent, who usually lives at Le Mans. I documented the listening experience of Paris, the site of our encounter, with original recordings which together with a short reading by Prigent in front of my microfone, became the source material for my composition. Another element, "La Liste des Langues que je parle" refers to a game played by Inuit women, who stand opposite eachother in two rows rhythmically reciting lists of words while touching eachothers noses. The loser is the one who starts laughing first... I used my own voice as a complimentary space to Prigent's voice. My central intention was a sounding of musical spaces and spaces of language. With vocal language touching just at the borders of verbal expression, language is reflected, imitated and variated."


poltern und schwingen
6 akustische dichtungen / 6 acoustic poems
09:00
Bernadette Johnson (Basel) 2000

Erstsendung: 2. Winterthurer Hörspielmarathon

Diese sechs kurzen Stücke drehn sich um die akustische Erinnerung, das Schallarchiv in Kopf und Körper. Was ist im Körper an akustischer Erinnerung eingebrannt? Wie äussert sich diese? Aus erinnerten Melodie- und Bewegungsfragmenten (Schritte, Sprünge, Atem) werden Skizzen montiert, akustische Dichtungen. Das sprachliche Material bilden Interpretationsanweisungen, Satzbezeichnungen aus Musikstücken. Die Zauberfee kommentiert.


First broadcast during the 2nd radio-dama-marathon, Winterthur.

"These six short pieces are dealing with acoustic memory, with the sound-archives in our heads and bodies.... I montaged sketches, acoustical poems from fragments of remembered melodies and movements (steps, jumps, breathing). The language material consists out of interpretational commands and the names of movements in music.. "


Formal Radio
(Ein Hörspiel ohne Worte? Ein Feature ohne Information?) / (A radio-drama without words? A documentary without information?)
11:01
Frank Schültge & Christian Berner (Berlin) 1999

 

Erstsendung: Berlin, 7.12.1999


"Formal Radio" ist der Versuch die gegenwärtige Radiolandschaft zu portraitieren. Die Autoren haben einen 24-stündigen Plünderzug durch deutsche Radiostationen und -programme unternommen und die jeweiligen für einen Sendungstyp charakteristischen Elemente zu einer 14-minütigen Collage verdichtet. Dem Nachrichtensprecher werden beispielsweise systematisch Konsonanten und Vokale aus dem Text geschnitten, bis aus den verbleibenden Lauten eine Metasprache entsteht: der Hörer kann leicht zwischen der Wettervorhersage, den Verkehrsinformationen, der Werbung, einem Radiopsychologen usw. unterscheiden, ohne ein Wort zu verstehen. "Formal Radio" interessiert sich eher für die Form von Kommunikation als für deren Inhalt; die Form des Gesendeten löst sich von seiner Bedeutung. Mit diesem Fokus ist der Hörer stärker in der Lage die jeweiligen Absichten der Kommunikation zu durchschauen und die geistige Haltung hinter Information und Unterhaltung zu erkennen. Trotz allem kann und soll die gängige Funktion von Radio als Tapete erhalten bleiben. (Ausschnitt aus 14 Minuten)


First broadcast Berlin, December1999

"Formal Radio" is the attempt to portray the (German) contemporary radioscape. For 24 hours, the authors scavenged through German radio-programs. They categorised their material according to types of programs, condensed it by different methods and worked it into a 14 minute collage: the listener should be capable to differentiate e.g. between news, weather forecasts, traffic information, advertising, a radio-psychologist etc without understanding a single word. "Formal Radio" is interested in the form of communication rather than its content. The form separated from its specific meanings. With this focus the listener should be able to recognise general intentions behind information and entertainment while the general wallpaper function of radio remains intact.....



[TOP]




PROGRAM
CALENDAR