SONNTAG, 10. März 2002, 23:00. - 24:00, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



isol III:
curated by r a d i o q u a l i a


coordinated universal time
"coordinated universal time"
von Alastair Galbraith

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A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

isol 3 ist eine 52-minütige akustische Navigation von Neuseeland. Sie portätiert eine intime und eliptische innere Landschaft, die archaische Elektronik, rückwärts gespielte Gitarren, entfernte Echos von Böen, fremde Vokalschönheiten und psychische Morsecodes beinhaltet. Das Programm evoziert regnerische Tage in Taieri Mouth, den windverwehten Ausläufer der Canterbury Plains, endlose Nachmittage mit Milo Cups, emotionale Sehnsucht, finstere Wolkengedränge, fließende Gedanken, segelnde und wirbelnde Geister. Ein Vogel träumt, die Flut kommt, und die Zeit selbst wird hörbar auf der Krone einer sich brechenden Welle.

isol 3 featured neben einigen Klangartefakten aus Neuseeland (von Omit, Rain, Delire und Roy Montgomery) Stücke von Alastair Galbraith (z.T. in Zusammenarbeit mit Matt de Gennaro), sowie seine neue Arbeit für isol: "Coordinated Universal Time". "Coordinated Universal Time" geht von der "universellen Zeit" aus, also dem sich nach der Zeit am 0. Längengrad bei Greenwich richtenden System, nach dem weltweit alle Uhren gestellt werden. Viele Radiostationen senden "Coordinated Universal Time"-Signale, damit die Hörer ihre Uhren daran angleichen können. Angefangen damit hat die BBC im Jahr 1924, mittlerweile haben dies spezielle Zeitsender vor allem im Kurzwellensendebereich aufgenommen. Solche Sendungen bilden den Ausgangpunkt für Alastair Galbraiths Projekt. Er verwendet drei Stunden dieser Übertragungen von "standard Coordinated Universal Time". Fasziniert davon, wie die Zeitangaben im Grunde durch ihre vorher erfolgte Aufnahme entkontextualisiert wurden - können die Zeitsignale doch nur akkurat und relevant sein, wenn sie live gehört werden - entkoppelt Galbraith sie zusätzlich von ihrem Kontext und läßt das Ticken so zu puren Rhythmen werden.
Galbraith hat die "Coordinated Universal Time"-Programme als rhythmische Grundspur verwendet und ästhetisch interveniert, indem er den summenden Loop einer Vokalaufnahme sowie eine Reihe weiterer Kurzwellen-Samples ergänzte. Bei längerem Anhören wird offensichtlich, dass die Aufnahmen der Minuten- und Stundenansage der Zeitsender vorher entstanden sind. Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren sie falsch, um in der Zukunft Gültigkeit zu erlangen. Aber auch dann muss man sich die Frage nach ihrer Gültigkeit noch stellen: denn wie lange brauchen die Kurzwellen vom Sende- zum Empfängerort - wird das "Ticken" verzögert an entfernten Orten eintreffen? Damit untersucht Galbraith zugleich die Relativität von Zeit. "Coordinated Universal Time" sinniert über die Beschaffenheit der Sende-Absichten: nämlich Zeit selbst zu koordinieren und zu standardisieren.



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