SONNTAG, 5. Dezember 2004, 23:05. - 23:45, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



ran [real audio netliterature]

CURATED BY: Johannes Auer





Autorschaft und ihre automatische Generierung

von Cornelia Sollfrank und Timothy Didymus

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http://stream.sil.at:7562/content/2004B/MP3/05_12_04s.mp3

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[ English Version ]

Nachdem Autorschaft erst im 18.Jahrhundert individualisiert wurde, etwa gleichzeitig mit der Möglichkeit technischer Reproduzierbarkeit durch die Druckmaschine und der Erfindung des Urheberrechts - gab es während des gesamten 20.Jahrhunderts immer wieder künstlerische Bestrebungen, individuelle Autorschaft und damit einhergehende Vorstellungen von Genialität oder Originalität zu dekonstruieren.

Angefangen im Dada und von den Surrealisten weiterentwickelt, lässt sich eine Entwicklung beobachten, die mit dem Aufkommen digitaler Medien einen ungeahnten neuen Höhepunkt erfährt. Spiele mit Identitäten, die Verfügbarkeit einer unermesslichen Menge an Material im Internet, die verlustfreie Kopierbarkeit von Daten sowie kostenlose und anonyme Distributionsmöglichkeiten haben eine vernetzte Kultur entstehen lassen, in der einzelne Autor/-innen oftmals kaum mehr zu identifizieren sind und auch Werke sich in einem permanenten Zustand der Weiterverarbeitung und Veränderung befinden.

Eine besondere Ausprägung dieser vernetzten Kultur stellt die generative Kunst dar. Oftmals verteilt sich die Autorschaft hier auf mitwirkende User, Programmierer/-innen, Künstler/-innen, die das Konzept erarbeiten und eine Umgebung bereitstellen, den Autoren der weiterverarbeiteten Materialien und nicht zuletzt dem Computer selbst. Konsequent betrieben, kann diese Art von Kunst weder durch im Urheberrecht geltende noch dem Kunstbetrieb zugrunde liegende Kategorien von Autorschaft und Original erfasst werden.

Die Radioarbeit "Autorschaft und ihre automatische Generierung" versucht sowohl inhaltlich als auch formal, sich auf diese Entwicklung zu beziehen. Dabei repräsentieren vier verschiedene Charaktere vier verschiedene Schichten des Diskurses um Autorschaft. Es gibt jeweils eine männliche und eine weibliche Computerstimme sowie eine männliche und eine weibliche menschliche Stimme. Das Hörspiel, das sich zusammensetzt aus gesprochenem Text, Geräuschen und generativer Musik, entwickelt sich nicht linear, sondern ergibt sich aus permanenten Sprüngen auf der Zeitachse. Und obwohl bestimmte Inhalte durch die Autoren (Sollfrank & Didymus) vorgegeben sind, wird die endgültige Form ausschliesslich von der zugrunde liegenden Software bestimmt.

Durch den Schock, den diese Sprünge auslösen und die nicht fest gelegte Abfolge entstehen neue Verbindungen und Zusammenhänge, die nicht nur als Störung eingeübter Hörgewohnheiten wahrgenommen werden, sondern darüber hinaus neue Sinnzusammenhänge und Bedeutungen eröffnen, die von den Künstlern nicht unbedingt beabsichtigt waren. Ferner zeigt sich deutlich die verführerische Kraft einer linearen Zeitachse.




ran [real audio netliterature]

CURATED BY: Johannes Auer





Automatically Generated Authorship

by Cornelia Sollfrank and Timothy Didymus


[ Deutsche Version ]

Along with the possibility of technical reproduction provided by the printing machine the individualization of authorship came in the 18th century, as well as the invention of copyright. During the 20th century, a diversity of artistic attemps was undertaken in order to deconstruct individual authorship and the implied ideas about geniality and originality.

Started by Dada and continued by the Surrealists one can follow this development which now faces an expected culmination, caused by the rise of the digital media. Playing with identities, the availability of an endless amout of material and information on the Net, the possibility of copying without loss of quality, as well as anonymous and decentralized ways of distribution have formed a networked culture which often makes it impossible to identify a single author. And also the works are in a permanent state of re-work and variation.

"Generative art" is a special variation of this networked culture. Here, authorship very often is distributed to several contributors - for example the user, the programer, the artist who makes the concept and provides the environment, the authors of the re-worked 'original' material, and most import the computer(-program). A consequent handling of this kind of art, makes it hard to almost impossible to categorize it by parameters like "authorship" and "originality" on which not only the art world but also copyright is based.

The radio play "Automatically Generated Auhtorship" tries to relate in form and content to the described development. Four characters represent the different layers of discourse around the issue: a male and a female computer voice, as well as a male and a female human voice. The spoken text, noise and generative music compositions comprising the radio play have been rendered from a jump-cutting timeline. Although the content is seeded by the authors (Sollfrank & Didymus), the final form has been left purely to a software based music-engine to arrange.

The shock of jump-cutting, the un-fixing of order, creates new symbiotic meanings and relationships, manifesting not only as a disruption of the codes of listening, but also perhaps more importantly a 'bringing together' of ideas not (fully) intended by the artists. This act demonstrates the seductiveness of the timeline, and time based media in general.


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