SONNTAG, 23. Jänner 2005, 23:05. - 23:45, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



ran [real audio netliterature]

CURATED BY: Johannes Auer



idensen live!

idensen live!
ein stereo hyper/text/hoer/spiel

von Heiko Idensen


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http://stream.sil.at:7562/content/2005A/30_01_05.mp3

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[ English Version ]

linker kanal: hyper-leser und –schreiber hei+co@hyperdis.de (alias heiko idensen) spricht "live", was ihm "durch den kopf geht" ... (= SPRECHEN)

rechter kanal: cut-ups und kollagen historisch/hysterischer hypertexte (= HOEREN)

das entscheidende wird der mix:
wer sitzt am mischpult? an welcher stelle wird ein- bzw. ausgeblendet? Welche parameter und effekte werden gesetzt?

ein hypertext-hoerbuch muesste auf jeden fall eine record-taste haben!

waehrend die hypertext-theoretiker und –propheten eine exponentielle unkontrollierbare zunahme elektronischer textzirkulation vorausgesagt haben, reagiert die verlagsbranche auf den zunehmenden zusammenbruch des buch-marktes mit dem gegengift hoerbuch.

somit vollzieht sich im umgang mit der literatur endlich eine aehnliche revolution, wie sie fuer die musik in den 80er jahren durch den walkman ausgeloest wurde: ein mobil-werden der hoersituation unter einbeziehung des staedtischen umraumes; die moeglichkeit, den inneren hoerraum beliebig mit der aeusseren sound-kulisse, den geraeuschen des alltags zu mischen.

und so wie der sms-effekt eine umwandlung des handys zum schreibwerkzeug einleitet (und wir jetzt endlich nicht nur ueberall unsere eigene musik hoeren, sondern auch ueberall schreiben koennen) ...

... beruht hyper-hoeren darauf, den klang, den sound, das rauschen der kanaele, das klappern der sprechwerkzeuge und geraete, die rauhheit der stimme ... in die elektronische text-zikulation wieder mit einzubeziehen:

klassischerweise hat sich der hypertext vollkommen der stimme entledigt: als topographischer text, als mapping von texten auf buchseiten (visuelle poesie) oder bildschirmen vollzieht er eher eine poetik der verknuepfung & vernetzung - als eine des klangs, der metrik, des gesprochenen wortes ... es gibt keine erzaehlung - einen erzaehler schon gar nicht ... hypertexte sind eigentlich genauso wenig zum sprechen oder vorlesen geeignet wie source-code ..

ins ohr gefluesterten hoerhypertexte enthalten dramatische szenen aus der hypertext-geschichte, man hoert das klacken der hebel des MEMEX, auch foucault ruft ganz von weitem das lachen aus der chinesischen enzyklopaedie auf ...

...

es geht nicht darum, aus dem hoerbuch ein mp3-hoerbuch zu machen, sondern die hypertext-produktionssintrumente und –medien (weblogs, sms-liebesromane, mitschreibprojekte ...) anzuschliessen an klang- und hoerwelten: webradios, experimentelle literatursendungen, lesungen, hoerspiele im und aus dem netz

... immer wieder das alte lied neu singen und instrumentieren:

"den rundfunk aus einem distributionsapparat in einen kommunikationsapparat zu verwandeln" (bertolt brecht)

Heiko Idensen 2005


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