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SONNTAG, 2. Oktober 2005, 23:05. - 23:45, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST





Vindobona Blues

von Alvin Curran

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http://stream.sil.at:7562/content/2005B/02_10_05.mp3


A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"


Alvin Currin, eine amerikanische Ikone der neuen Musik und vielfacher Autor radiophoner Arbeiten, gastiert wieder einmal bei Kunstradio. Sein Stück "Vindobona Blues" ist ein höchst persönliches akustisches Porträt des zeitgenössischen Wiens und seiner lebendigen Musikszene. Dazu versammelt und arrangiert er Klangmaterial von Interviews mit namhaften KollegInnen über urbane Soundscapes bis hin zu Aufnahmen von gemeinsamen Performances und Kompositionen. Diesen Prozess bezeichnet Curran als "musikalische Psychoanalyse". Durch das Kombinieren und Transformieren des Materials kreiert er neue Stücke, die im Fluss der Gesamtkomposition durch markante Stille unterschieden und rhythmisiert werden - und bringt dabei KünstlerInnen auf eine virtuelle Bühne, die sonst noch nie miteinander performt haben. Eine sich stets im Wandel befindliche Klangwolke, in der überraschende Kollissionen entstehen können, ist das Resultat: eine akustische Repräsentation der gegenwärtigen "Musikstadt".

Unter anderen sind beteiligt: Mia Zabelka, Olga Neuwirth, Franz Hautzinger, Erdem Tunakan, Attwenger, Andrea Sodomka, Georg Nussbaumer, Bernhard Leitner, Diether de la Motte, Christian Fennesz, Uli Fussenegger, and Robert Adrian.

Theoretisch ist VINDOBONA BLUES ein Sound-Porträt der extrem lebendigen und vielgestaltigen zeitgenössischen Musikszene im Wien der Gegenwart. Tatsächlich ist es eine gewaltige, zugleich subtile Soundlandschaft, die die akustischen „Essenzen“ von 10 sehr unterschiedlichen KünstlerInnen beinhaltet, die – wie in einem fremdartigen Schachspiel – als bewegliche „Objekte“ in einer 10-spurigen Sound-Installation bei der TONSPUR im quartier21 wieder zum Vorschein kommen. In den Ateliers von Mia Zabelka, Andrea Sodomka, Olga Neuwirth, Uli Fussenegger, Diether de la Motte, Robert Adrian, Bernhard Leitner, Christian Fennesz, Franz Hautzinger und Georg Nussbaumer habe ich Gespräche, Musikalisches und Umgebungsgeräusche aufgenommen und, um eine herkömmliche Collage ihrer Musik zu vermeiden, jede/n von ihnen gebeten, einen einzigen langen Ton zu singen. Die Absicht war, daraus eine Art freischwebenden Choral zu machen, eine absolut ungewöhnliche und dennoch demokratische musikalische Selbstrepräsentation der einzelnen KünstlerInnen. Diesem grundlegenden Teil wurden einzelne Fragmente „echter“ Musik hinzugefügt – auch Bluesartiges von Hautzinger, Fussenegger und Zabelka –, weiters wirkten mit Coco, Prof. de la Mottes Papagei, die Spielzeugsammlung von Olga Neuwirth, der Parkettboden von Mia Zabelka und unter anderen Gästen auch Lina, die Tochter von Christian Fennesz, die sich zwar weigerte, für mich zu singen, aber ein Stück Samstagmorgentheater für eine wunderbare Aufnahme produzierte. Und gelegentlich ziehen Fragmente von Erdem Tunakan und Attwenger subtil ihre Wege durch diese illustre musikalische Versammlung.
Besonderen Dank an Valentin Ruhry, Peter Szely und Oliver Bokan.


Alvin Curran, 20. Sept. 2005

Die Arbeit wurde als Installation in der von Georg Weckwerth und Peter Szely kuratierten Reihe der "Tonspuren" im Quartier 21 im Wiener Museumsquartier präsentiert. Für Ö1 Kunstradio realisierte Alvin Curran eine radiophone Version in 5.1 Dolby Surround.


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