Sonntag, 14. Dezember 2014, 23:03 - 23:59, Ö1

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KUNSTRADIO - RADIOKUNST



1) „Kühlschrank/Refrigerator“
von Andreas Hagelüken
(Listening Proposal des Tschechischen Rundfunks)

sound PLAY



2)
„Soundflow. Eine Annäherung“
eine Annäherung von Liesl Ujvary

sound PLAY



Zwei Gegenstände des täglichen Gebrauchs werden auf ihre akustischen und technischen Eigenheiten untersucht und radiophon ausgewertet: Ein Hörgerät hat Liesl Ujvary zu ihrem neuen Stück Soundflow inspiriert, und Andreas Hagelüken hat wiederum einem alten Kühlschrank seine Ohren geliehen.

1) „Refrigerator / Kühlschrank“ von Andreas Hagelüken


 
„Wie vermittelt man das ästhetische Interesse an einem Geräusch, das stört oder nicht, das eben da ist, über das man aber nicht weiter nachdenkt?“ Diese Überlegung formuliert der deutsche Radiomacher, Radiokunst-Theoretiker und Musikwissenschaftler Andreas Hagelüken in einem Statement zu seinem Stück „Kühlschrank“. Begegnet ist er dem Kühlschrank auf einem Familientreffen, und Hagelüken war sofort begeistert vom Blubbern, Gurgeln und Knacksen des alten Geräts, das auch sehr schöne Soundflächen produzierte. Beim nächsten Besucher bei der Verwandtschaft hat Hagelüken Aufnahmen gemacht, sowohl in der Küche und der näheren Umgebung des Geräts, als auch drinnen, mit geschlossenen Kühlschranktüren. Die Aufnahmen blieben etwa zehn Jahre unveröffentlicht aber nicht unberührt  auf seiner Festplatte liegen. Sein Vorhaben war, das Kühlgeräusch auf versteckte tonale und periodische Strukturen und klangliche Feinheiten zu untersuchen und als Material für etwas eigenes zu verwenden.  „Warum bin ich?“, fragt sich der Kühlschrank. Seine Selbstfindung ist im Stück, das Hagelüken produziert hat, nicht narrativ nachvollziehbar – es ging dem Autor viel mehr darum, die breite Klangpalette des Kühlschranks auszubreiten und zu verwenden. Produziert wurde das 15-minütige Stück vom Tschechischen Rundfunk für das Programm Radiocustica, erstgesendet wurde es am 23. Mai 2014.

sound MP3 Statement Andreas Hagelüken


„Jedes Haushaltsgerät alter Bauart, das nicht nur konstruiert wurde um entsorgt zu werden, hat seine eigene Seele, nicht wahr? Im Fall des Radiostücks „‘Kühlschrank‘ wird René Descartes berühmtes „Cogito ergo sum“ ins selbstbewusste ‚Ich kühle, also bin ich… was ich bin‘ uminterpretiert. Und, freilich, der Kühlschrank, scheint darauf stolz zu sein und sein Bestes zu geben, um seinen Inhalt kühl zu halten. Er ist cool. Wenn man ihm gut genug zuhört, versteht man ihn vielleicht. Aber: ist es wirklich notwendig, unseren Kühlschrank zu verstehen?“
(Andreas Hagelüken)

Stimmen: Jasmine Tutum, Heinzl Spagl und David Nolte
Violine: Lenka ┼Żubková
Bass: Martin Klein
Dank an Thomas Loop
Produktion: Randfunk, 2014

Links:
[http://www.randfunk.de|Randfunk]
[http://www.rozhlas.cz/radiocustica_english/project/_zprava/1353648|Tschechischer Rundfunk]


2) „Soundflow. Eine Annäherung“ von Liesl Ujvary



Liesl Ujvary wurde 1939 in Bratislava geboren und lebt seit 1971 als Schriftstellerin und Künstlerin in Wien. Poesie, Prosa, Hörspiele, Fotos, Musik. Künstliche Intelligenz, Computerkunst – das ist ein Auszug aus ihrer Werkbeschreibung, zu finden auf ihrer Website ujvary.mur.at. Folgenden Text hat sie zu ihrer neuen Radioarbeit „Soundflow“ verfasst:

„‘Soundflow‘ versucht eine Annäherung an die Verarbeitungstechniken, die in unserem Innenohr stattfinden. Dieser Soundflow, den wir ununterbrochen empfangen, wird im Ohr gefiltert, geordnet, und in einer Weise interpretiert, die ihn für unser Zentralnervensystem als sinnvolle Information über unsere Umwelt erscheinen lässt.
Eine große Zahl unterschiedlichster Geräuschbahnen, die aus verschiedenen Frequenzen und Obertönen komponiert und zum Teil auch rhythmisch strukturiert sind, werden aneinandergereiht, übereinandergelegt und formen so einen akustischen Fluss voll überraschender Wendungen. Bekanntes scheint vorüber zu gleiten, Fremdes, schwer Verständliches, drängt sich vor.
Die verwendeten Geräuschkörper werden soweit möglich von ‚Bedeutung‘ befreit.
Auf der einen Seite „weißes Rauschen“, auf der anderen bekannte semantische Felder – dies erfordert ein Lavieren, das zu einem spielerisch anregenden Hörerlebnis führen soll.“
 
Links:
[http://ujvary.mur.at|Liesl Ujvary]
https://soundcloud.com/lieslujvary/soundflow-eine-annäherung


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