Sonntag, 19. Februar 2023, 22:05 - 23:00, Ö1

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RADIOKUNST - KUNSTRADIO






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  • © Markus Sepperer




  • Red Rooms – Cages

    von Angelica Castelló in Kooperation mit Jérôme Noetinger


  • Angélica Castelló: Idee, Konzept, Komposition, Musikalische Leitung
  • Miguel Ángel Gaspar: Konzept, Regie, Movement
  • Ximena Escalante: Dramaturgie
  • Ximena Escalante, Angélica Castelló, Miguel Ángel Gaspar: Libretto

  • Theresa Dlouhy, Isabelle Duthoit: Little Red Riding Hood (Stimme)
  • Romain Bischoff: Wolf (Stimme)
  • Raphaela Danksagmüller, Thomas List, Maja Osojnik: Grandmother (Blockflöten, Stimmen)
  • Jérôme Noetinger: Other Wolf 1 (Revox, tapes, electronics)
  • Victor Lowrie: Bratsche
  • Manuel Schager: Cello
  • Maximilian Ölz: Kontrabass
  • Reinhold Brunner: Bassklarinette
  • Alvaro Collao León: Saxofon
  • Stefan Obmann: Posaune
  • Berndt Thurner: Schlagwerk

  • Texte und Zitate: Ximena Escalante, Salvador Novo, Louise Bourgeois, Vilem Flusser, Angélica Castelló
  • Übersetzung: Miguel Angel, Angelica Castelló, Claudia Mader

  • Dank an Eva Laquiéze-Waniek




  • Ein Radiomusiktheater inspiriert von Louise Bourgeois’ Installation Red Room (child) und Red Room (parents) über Wahrheit und Lüge, über Lust und Missbrauch, über Liebe und Macht für Stimmen, Kammerensemble, Blockflötentrio, Revox–Tonbandmaschine, Radios, Kassettenspieler und Elektronik in sieben Tableaus/Akten.

    Color is stronger than language. It’s a subliminal communication. Red is an affirmation at any cost — regardless of the dangers in fighting — of contradictions, of aggressions. It symbolizes the intensity of the emotions involved. (Louise Bourgeois)

    Im Universum der Red Rooms gibt es einen Radiosender, Radio Roja.
    kunstradio.at/06 11 22

    Aber auch, versteckt, vielleicht unterirdisch, gibt es Käfige, viele, viele…

    In „Red Rooms – Cages“ stehen die Klangwelten dieser drei Käfige in Vordergrund: Töne und Gerausche, Gesang und Gebrüll, Panik, Poesie, Luft, Rauschen … eine Art Lied der dunklen Leidenschaft und des Elends.

    Käfig 1 - Ulf (Wolf)
    Käfig 2 - Beel Blanchette & Beel Rouge (Rotkäppchen)
    Käfig 3 - Hope S, Hope E und Hope I (Großmutter)

    Die drei Hauptcharaktere – Rotkäppchen, Wolf und Großmutter – (hier eine Familie, Mutter, Sohn und Tochter/Enkelin) treten jeweils in verschiedenen Versionen auf, die unterschiedliche Bestandteile und Sichtweisen dieser Protagonisten darstellen.

    Das heißt, wir hören, wie die Mitglieder der Familie buchstäblich in Käfigen leben und ihre Triebe und Gefühle zum Ausdruck bringen. Dadurch wird vielleicht klar, wie klaustrophobisch eine Familie strukturiert sein kann und wie sich dies auf die Seelen und die Realität der Menschen auswirkt, so dass da alles passiert, was an Schlimmen nur passieren kann.

    So gibt es sowohl ein doppeltes Rotkäppchen – das „rote“ und das „weiße“, seine zwei Seiten, die „Beel Blanchette“ und „Beel Rouge“ genannt werden – als auch die Großmutter in drei Varianten: „Hope S“, „Hope E“ und „Hope I“, die Großmutter im Trio im Sinne eines scheinbar perfekten Wesens, aber auch eine Art von Chimäre, mehrköpfigem Monster sowie eine besondere Form der drei Affen, die nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen wollen. Der Wolf als dritter Charakter – „Ulf“ – wirkt im Vergleich dazu am meisten mit sich ruhend, weil er wahrscheinlich der primitivste von allen ist. Er ist auch der Einzige, der keinen Konflikt erlebt. Allerdings könnte man im Verlauf des Stücks irgendwann glauben, dass alle, die diese Käfige bewohnen oder die in das Geschehen involviert sind, also auch die InstrumentalistInnen, wie einsame Wölfe hantieren oder eine Art Wolfsrudel bilden.

    Musikalisch ist das Stück wesentlich durch Wiederholung aufgebaut, denn auch bei diesen Tableaus handelt es sich um eine Art Wiederkehr oder Schleife, der man nicht so leicht entkommen kann. Dem entsprechend werden musikalische Loops und Zitate aus dem Bereich der Alten Musik und des Rocks, die Castelló einmal mehr versteckt, ein anderes Mal mehr vordergründig eingesetzt sind. Dabei unternimmt die Künstlerin auch einen Versuch die Welten der auskomponierten Musik und jene der Improvisation zu verbinden, beide haben in Red Rooms den gleichen Stellenwert.

    Produktion i5haus mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wien Kultur, BMKÖS, Sistema Nacional de Creadores de Arte (FONCA) Mexico, SKE der Austro Mechana in Koproduktion mit Wien Modern, PHACE, Musica Strasbourg, La Muse en Circuit und ORF Ö1 Kunstradio, sowie in Kooperation mit dem Schauspielhaus Wien.