Kunstradio Projects / Literatur als Radiokunst

Franz Josef Czernin:

«einen satz, den man nicht mehr hört, hat man nie vernommen»

Textauszug:

johannes: dass doch nicht auch das entsetzen der anfang sei, der das wort ist!

alle menschen sind sterblich: wie oft muss dieser satz noch gesagt werden,
bis er verständlich geworden ist?

borges: es gibt nur einen ort, wo alle wünsche in ihre erfüllung übergehen: die hölle.

wittgenstein: um erkennen zu können, was es bedeutet, dass du ein mensch bist,
müsstest du dich selbst verlassen.

gesellschaft: du verleihst deiner lust fremde schmerzen und deinen schmerzen fremde lüste.

johannes: dass doch nicht auch der schmerz der anfang sei, der das wort ist!

der körper selbst ist ausdruck der lust auf seine bezeichnung.

borges: es gäbe zwei orte, wo alle wünsche in ihre erfüllung übergehen:
den himmel und die hölle.

wittgenstein: um erkennen zu können, was es bedeutet, dass du ein mensch bist,
müsstest du deine sprache verlassen.

gesellschaft: du verleihst deinem schmerz fremde worte und deinen worten
fremde schmerzen.

je grösser das entsetzen, um so näher oder ferner ist das, was entsetzen hervorruft?

alle menschen sind sterblich: wie oft dieser satz noch gesagt werden muss, bis er verständlich geworden ist!

johannes: dass ich doch nicht selbst der anfang sei, der das wort ist!

alle menschen sind sterblich: würde dieser satz verständlich, gäbe es dann noch das, worauf er sich bezieht?

(© Franz Josef Czernin)