Gue Schmidt      Liesl Ujvary   Jana Wisniewski   Robert Zahornicky


Wolfgang TEMMEL

silent acoustics - acoustic silence

silent acoustics - acoustic silence, Installation, 1989/2002


  PST, 10:18, 2002

Wolfgang Temmel zum radiophonen Stück PST:

PST ist ein audiogramm (im gegensatz zu einem piktogramm), also INTERNATIONAL, wobei das piktogramm des audiogramms ebenfalls international ist (der zeigefinger senkrecht vor die lippen gehalten) , bzw. ist es ein zeichen, das jeder versteht und auch in gebärdensprache gleich dargestellt wird (was ja im grunde paradox ist, denn einem gehörlosen verstehen zu geben, dass er/sie still sein solle, ist ja wohl ein schlechter und dummer scherz der hörenden, in die welt der stille der gehörlosen gebrüllt).

Ausgangspunkt für dieses stück war ein erlebnis bei einem klassikkonzert. Svjatoslav Richter hat immer wieder, im steirischen deutschlandsberg, in sehr kleinem rahmen solokonzerte gegeben, die natürlich von den hochkulturnics aus wien oder graz oder aus dem ausland besucht wurden. es liess sich natürlich nicht vermeiden, dass auch einige einheimische zu konzertkarten kamen, jedoch nicht jenen respekt vor diesem pianisten hatten, den die hochkulturnics sakral zur schau stellten. Kurz vor beginn des konzerts, die bude voll, einige es ließ sich nicht genau feststellen, ob hochkulturnics oder provinzkulturnics flüsterten noch ein wenig und manche hüstelten noch mal rasch, kurzum, es war eine stufe vor leise, da drehte sich eine ältere dame in richtung eines ihr hinter ihr sitzenden hüstelnden besuchers um und mit einem unüberhörbaren
"PSSSSSSSSSSSSCCCCCCCCCHHHHHHHHHHHHHT!"
forderte sie ruhe vor dem richter.
Ihre stimme, dieses pst, war lauter und störte mehr alles andere akustische im saal.
Als richter alsbald vors piano trat, verstummten alle besucher von selbst und es war wirklich ein wunderbares konzert.

PST: die natur ist nicht still, obwohl, sobald die menschen verstummen, sie immer von der stille ringsum reden.
Die natur ist im allgemeinen aber auch als akustisches ereignis unbarmherzig, wie sie ja im allgemeinen nicht sehr zimperlich ist. Sie ist laut und schert sich einen deut, ob uns das passt oder nicht. Der wind pfeift, das wasser gurgelt und gluckst, die blätter rauschen, der donner haut manchen fast um, und ist es irgendwann einmal fast still, ist garantiert wo eine fliege oder gelse, die einen verzweifeln lässt Ich erinnere mich an einen fall, der beim richter landete, wo ein städter, der am land sein wochenenddomizil nahe einem bauernhof hatte, den bauern wegen ruhestörung klagte, da der hahn des bauern den wochenendler bei seiner morgenruhe störte. Der bauer verlor den prozess, der hahn sein leben.
Psssst, so einfach kann die welt sein, pssst.


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